Im Endspiel Turm gegen Bauern müssen Positionen mit Springer- und Randbauern exakt analysiert werden, da sich durch die Nähe zum Brettrand Möglichkeiten für Patt in der Ecke ergeben.
Awerbach: Bei einem Springer- oder Turmbauern treten wegen der Nähe des Brettrandes zusätzliche Schwierigkeiten auf, die beim Manövrieren zu berücksichtigen sind.
Bei einem Springerbauern kann die schwächere Seite durch ein Patt in der Ecke in vielen Fällen ein Remis erzielen, bei einem Randbauern kann die stärkere Seite meist durch Mattdrohungen gewinnen.

Inhalt:
Springerbauern
Beim Springerbauern bietet sich für die Bauernpartei die Möglichkeit, die Ecke anzustreben. Dadurch ergeben sich für die schwächere Seite Verteidigungsmöglichkeiten.
Verteidigung
Hier können Ideen wie Patt oder Umwandlung in einen Springer verwendet werden, um ein Remis zu erreichen. Bei einem Bauern auf der 7. oder 2. Reihe gibt es hier mehrere Möglichkeiten, um ein Remis zu erreichen.

Hier kann ein Patt oder eine Unterverwandlung in einen Springer angewendet werden.
Versucht der König sich direkt anzunähern, z.B. durch Abdrängen auf die Grundreihe, kann sich Schwarz verteidigen:

Patt
Der Versuch der direkten Annäherung mit Angriff auf den Bauern scheitert, da sich der König in der Ecke verstecken kann.

Der Bauer darf nicht geschlagen werden, da ein Patt entsteht.

Umwandlung in einen Springer
Drängt die Turmpartei den König auf die Grundreihe, kann alternativ zum Patt auch eine Unterverwandlung angestrebt werden.

Stellt die Turmpartei hier eine Mattdrohung auf der 1. Reihe auf, kann der Bauer mit Schach in einen Springer umgewandelt werden:

Das Endspiel mit Turm gegen Springer ist remis.
Analyse – Position 6
Die folgende Analyse zeigt die Idee eines Patts bzw. die Umwandlung in einen Springer:
Awerbach – Lehrbuch der Schachendspiele – Teil 2 – Position 6 – Umwandlung/Patt
Turm gegen Bauer – Position 6
Diese Analyse behandelt Diagramm 6 aus dem Lehrbuch der Schachendspiele – Teil 2. Hier verfügt Schwarz über einen Randbauern. Der schwarze Bauer ist auf die zweite Reihe vorgedrungen, und Schwarz kann die Partie remis halten.

Auf 1.Ta2+ hat Schwarz zwei Verteidigungsmöglichkeiten: Er kann entweder den
Bauern zum Springer verwandeln oder ein Patt in der Ecke anstreben.

1…Kf1 Schwarz wandelt den Bauern zum Springer um.
Noch einfacher ist ein Pattmotiv:
Noch einfacher ist 1…Kg1 mit der Idee des Patts in der Ecke.

2.Kg3 Kh1!=

Der Bauer kann nicht genommen werden, ohne dass Schwarz patt gesetzt wird – Remis.
2.Kf3 g1S+

3.Ke3 Sh3 4.Th2 Sg1 und Schwarz kann die Partie remis halten.
Verwendete Methoden
In dieser Stellung werden die folgenden Methoden verwendet:
Turmpartei:
- seitliches Schach mit dem Turm
Bauernpartei:
- Patt in der Ecke
- Umwandlung des Bauern in einen Springer
Dokument – PDF
Die Analyse ist hier auch als PDF-Dokument verfügbar:
Gewinnplan – Angriff von hinten
Um zu verhindern, dass sich der König in der Ecke versteckt und ein Patt erreicht, kann die Turmpartei den gegnerischen König durch Angriffe von hinten aus der Ecke vertreiben.
Dafür befolgt die Turmpartei die folgenden Schritte:
- Abdrängen des gegnerischen Königs
- Angriff auf den Bauern von hinten
- Abdrängen des gegnerischen Königs vor den Bauern
- Annähern des eigenen Königs mit Tempo

Dafür drängt der Turm zuerst den gegnerischen König ab:

Danach wechselt der Turm sofort auf die 8. Reihe, um den Bauern von hinten anzugreifen:

Sobald der König der Bauernpartei die h-Linie betritt, wird er durch Schachgebote vor den Bauern gedrängt.

Steht der König der Bauernpartei vor dem Bauern, kann sich der eigene König mit Tempo annähern:

Der Bauer wird erobert.
Analyse – Position 4
Die folgende Analyse zeigt den Gewinnplan:
Awerbach – Lehrbuch der Schachendspiele – Teil 2 – Position 4
Turm gegen Bauer – Position 4
Diese Analyse behandelt Diagramm 4 aus dem Lehrbuch der Schachendspiele – Teil 2. Hier verfügt Schwarz über einen Springerbauern.

Awerbach: Bei einem Springer- oder Turmbauern treten wegen der Nähe des Brettrandes zusätzliche Schwierigkeiten auf, die beim Manövrieren zu berücksichtigen sind. Schwarz verfügt über Pattdrohungen, die ihm bei ungenauem Spiel von Weiß ein Remis ermöglichen.
1.Tf1+

Awerbach: Wie wir bereits gesehen haben, gibt die
waagrechte Opposition der Könige Weiß die
Möglichkeit, den gegnerischen König unverzüglich
zurückzuwerfen.
1…Kg2 2.Ke2
In dieser Stellung gewinnt Weiß, indem er seinen König annähert und mit seinem Turm den Bauern von hinten angreift.

2…Kh2
Weiß wechselt nun auf die 8.Reihe, um den Bauern von hinten anzugreifen: 3.Tf8!
Der Versuch, den Bauern sofort zu erobern, scheitert.
Awerbach: Der Versuch, den Bauern sofort zu erobern, scheitert.

3. Kf3? g2 4. Tf2

Die Fesselung des Bauern auf der zweiten Reihe funktioniert wegen Patt in der Ecke nicht.
Es folgt 4…Kh1= und Schwarz ist gerettet.

3…g2

4.Th8+ Weiß zwingt den schwarzen König vor den Bauern. 4…Kg1

Nun kann der Turm den Bauern angreifen. 5.Tg8 Kh2 6.Kf2+-

Weiß gewinnt.
Verwendete Methoden
In dieser Stellung werden die folgenden Methoden verwendet:
Turmpartei:
- Abdrängen des gegnerischen Königs
- Angreifen des Bauern mit dem Turm von hinten
- Fesselung des Bauern auf der zweiten Reihe
Bauernpartei:
- Patt mit dem König in der Ecke
Dokument – PDF
Die Analyse ist hier auch als PDF-Dokument verfügbar:
Randbauern
Auch bei einem Randbauern ergeben sich für die schwächere Seite Verteidigungsmöglichkeiten wie Patt oder eine Umwandlung mit Schach in einen Springer.
Umwandlung in einen Springer
Die Umwandlung in einen Springer funktioniert bei einem Randbauern im Gegensatz zum Springerbauern leider nicht.

Hier kann der Turm den gegnerischen König auf die Grundreihe drängen und eine Mattdrohung aufstellen:

Die Umwandlung in einen Springer führt jedoch zum Verlust, da sich der Springer nicht bewegen kann. Der Springer geht sofort verloren.

Analyse – Diagramm 7
Die folgende Analyse zeigt den Gewinnweg:
Awerbach – Lehrbuch der Schachendspiele – Teil 2 – Position 7 – Randbauer – Unterverwandlung
Turm gegen Bauer – Position 7
Diese Analyse behandelt Diagramm 7 aus dem Lehrbuch der Schachendspiele – Teil 2. Auch hier kann Schwarz versuchen, eine Unterverwandlung anzustreben. Mit dem Randbauern ist diese Methode jedoch nicht erfolgreich.

Awerbach: Hier hilft die Verwandlung des Bauern in einen Springer nicht, da der Springer sich in der Ecke nicht bewegen kann.
Weiß drängt den schwarzen König auf die Grundreihe, um eine Mattdrohung aufzustellen: 1. Ta2+

Kg1 2. Kg3 h1=S+ Das Schach mit dem Springer hilft hier nicht.

3. Kf3+- Der schwarze Springer hat kein freies Feld, und der König kann
sich wegen Grundreihenmatt nicht bewegen. Weiß gewinnt.
Verwendete Methoden
In dieser Stellung werden die folgenden Methoden verwendet:
Turmpartei:
- Mattdrohung auf der Grundreihe
Bauernpartei:
- Umwandlung des Bauern in einen Springer
Dokument – PDF
Die Analyse ist hier auch als PDF-Dokument verfügbar:
Gewinnplan
Alternativ zur Umwandlung in einen Springer kann die Bauernpartei auch ein Patt anstreben. Hier kann die Turmpartei einen charakteristischen Gewinnplan verfolgen.
Der Gewinnplan besteht aus den folgenden Schritten:
- Abdrängen des gegnerischen Königs
- Annähern des Königs
- Alternative 1: Mattdrohung
- Richtige Positionierung des Königs
- Aufstellen der Mattdrohung
- Alternative 2: Angriff auf den Bauern von hinten
- Annähern des Königs an den Bauern
- Vertreiben des gegnerischen Königs durch seitliches Schachgebot

Dafür drängt die Turmpartei zuerst den gegnerischen König an den Rand:

Damit sperrt die Turmpartei den gegnerischen König auf der Randlinie ab.

Nun gibt es zwei Gewinnpläne: das Aufstellen einer Mattdrohung und das Positionieren des Königs hinter dem Bauern.
Mattdrohung
Um eine Mattdrohung aufzustellen, kann die stärkere Seite den König zuerst auf der 3. Reihe positionieren und den Gegner zwingen, den Bauern vorzurücken.

Danach kann mit dem Turm eine unparierbare Mattdrohung aufgestellt werden:

Angriff auf den Bauern von hinten
Alternativ ist es auch möglich, den Bauern von hinten anzugreifen. Dafür bringt die Turmpartei den König auf die h-Linie:

Danach kann der Turm den gegnerischen König vertreiben:

Der Bauer wird erobert.
Analyse – Diagramm 5
Die folgende Analyse zeigt den Gewinnweg:
Awerbach – Lehrbuch der Schachendspiele – Teil 2 – Position 5 – Randbauer – Gewinnweg
Turm gegen Bauer – Position 5
Diese Analyse behandelt Diagramm 5 aus dem Lehrbuch der Schachendspiele – Teil 2. Hier verfügt Schwarz über einen Randbauern.

Awerbach: Mit einer Pattdrohung muss auch bei einem Turmbauern gerechnet werden. Hier gibt es den Gewinnplan, mit dem König den Bauern statt von der Seite von hinten anzugreifen.
Weiß wechselt mit dem Turm auf die 8. Reihe und drängt den schwarzen König vor den Bauern: 1.Tg1+

1…Kh2 2.Tg8 Der weiße Turm sperrt den König auf der h-Linie ab. Wichtig ist, dass der schwarze König noch ein Feld hat, um sich zu bewegen.

Ein Fehler wäre:
2. Kf2?? mit Patt.

Der schwarze König kann nur auf der h-Linie ziehen: 2…Kh1

3.Kf3 Der weiße König nähert sich an.
Weiß hat hier eine zweite Gewinnmöglichkeit: die Positionierung des Königs hinter dem Bauern.
Awerbach: Weiß kann auch anders gewinnen: Der weiße König positioniert sich hinter dem Bauern.

3.Kf2 h2 4.Kg3 Der weiße König strebt das Feld h3 an.

4..Kg1 5.Kh3+ Kh1 6.Td8 Nun wird der schwarze König von der 1. Reihe verdrängt. Kg1 7.Td1++-

Der Bauer geht verloren.
3…h2

Nun stellt Weiß eine Mattdrohung auf: 4.Te8
Auch hier kann Weiß die zweite Methode verwenden.
Alternativ funktioniert der vorhin verwendete Plan auch, den König nach h3 zu bringen und ein Schach auf der Grundreihe zu geben: 4.Kg3

Kg1 5.Kh3+ Kh1 6.Td8 Kg1 7.Td1+ und Weiß gewinnt.

4…Kg1

Nun setzt Weiß auf der Grundreihe matt. 5. Te1#
Verwendete Methoden
In dieser Stellung werden die folgenden Methoden verwendet:
Turmpartei:
- Seitliches Absperren des gegnerischen Königs auf der h-Linie
- Abdrängen des gegnerischen Königs vor den Bauern
- Grundreihenmatt
Bauernpartei:
- Patt in der Ecke/am Rand
Dokument – PDF
Die Analyse ist hier auch als PDF-Dokument verfügbar:
Dokument – Trainingsmaterial
Das folgende Dokument enthält das Material als PDF: